Bibliography

BOOKS

Heidingsfelder, Markus (2020): Trump – bebachtet. Berlin: Springer.

“Man macht erst einen Bogen um ein Buch mit diesem Thema, blättert dann, liest sich fest, legt es genervt wieder beiseite. Aber es ist nicht zu leugnen: Markus Heidingsfelder ist ein materialreiches Buch gelungen, mit sparsamem, aber höchst treffendem Einsatz theoretischer Überlegungen und einer Einladung zu Urteilen über das Geschehen, die einem fast im Halse stecken bleiben, weil man sich aus dem Erfolg eines solchen Politikers ja nicht herausrechnen kann, so gerne man es täte. Allein die Materialfülle seines Buches nötigt Respekt ab. Man kann die gesamte Diskussion um Trump mit ihm aufarbeiten, wenn man möchte, bekommt einen Sinn für Kontext, Hintergründe, Details.” Dirk Baecker

Trump – beobachtet “sticht effektiv heraus aus der Trump-Bücherflut. Es gelingt Heidingsfelder, die Komplexität des Phänomens gleichzeitig sichtbar zu machen und zu reduzieren.” Die zentrale Botschaft: “Die Aufgeregtheit, mit der wir im Moment auf das Phänomen Trump blicken, müssen wir hinter uns lassen.” Adrian Kohler, SRF 

“Markus Heidingsfelders Buch eröffnet im Blick auf das ‚Phänomen‘ Donald John Trump mindestens zwei beachtenswerte Perspektiven. Die erste kann man als Verzicht auf Invektiven beschreiben. Vermieden wird, den Präsidenten der USA als Dummkopf, Narziss, als machtgierig, skrupellos, als kopflos und schwachintelligent … zu verunglimpfen. Heidingsfelder vermeidet dergleichen aus mindestens einem Grund: Solche Beleidigungen informieren über nichts als die Hilflosigkeit derer, die Trump auszischen und mehr einfach nicht zu sagen wissen. Die zweite Besonderheit besteht darin, dass Heidingsfelder seine Analyse orientiert an Luhmanns Systemtheorie, die für ihre Distanzierungsleistungen so bekannt wie umstritten ist. So gelingt es ihm, die Referenz auf den Menschen ‚Trump‘ hintanzusetzen und sich zu konzentrieren auf Strukturen und Prozesse, deren Form und Folgen das ‚Muster‘ Donald Trump konfigurieren. Dieses Buch ist glücklicherweise nicht ein feuilletonistischer Großessay; es ist, was all diese Phrasen über Trump anbetrifft, widerständig. Kurz: Man kann es mit Recht lesenswert nennen.” Peter Fuchs

Trump – beobachtet gefällt mir ausgesprochen gut – es enthält eine Fülle von interessanten Analysen und Quellen. Mich interessiert insbesondere ein Thema, das Heidingsfelder öfter anspricht und auf Seite 160 so ausdrückt: ‘Ein großer Teil der Bewunderung für Trump geht auf diese Selbsttreue des Präsidenten zurück, der seine Ich-Rolle offenbar sehr viel überzeugender spielt als etwa Hillary Clinton.’ Dann erläutert er weiter: ‘Ihm muss niemand die Maske vom Gesicht reißen, denn anscheinend trägt er keine. An dieser Stelle kann der erneute Hinweis auf die Wortherkunft von ›Person‹ uns aber vor der Naivität bewahren, eine ›maskierte Existenz‹ von einer authentischen, wahren zu unterscheiden. Trumps Person ist nichts anderes als diese Maske, die aus den an ihn gerichteten Erwartungen besteht. Auch sie hat zwei Seiten: eine Außenseite, die aus Fremderwartungen besteht, und eine nach innen gerichtete, die mittels Narrativität Selbsterwartungen formuliert.’ Das ist, aus meiner Perspektive, eine perfekte Beschreibung von ‘Profilizität’ im Unterschied zur Authentizität (für die das Bild des wahren Gesichts hinter der Maske geradezu archetypisch ist). Ich würde hier nur ‘Person’ durch ‘Profil’ ersetzen, so wie auch hier, auf Seite 165: ‘An die Stelle des rollenkonformen Verhaltens tritt bei ihm (Trump, H.-G. M.) das trumpkonforme Verhalten: die Person dominiert die Rolle.’ Trump ist ein Paradebeispiel von profilicity, und natürlich insbesondere von ‘profile politics’.

Gerade in diesem Zusammenhang ist das Thema von ‘Politik als Passion’ sehr relevant, was Heidingsfelder ebenfalls ausführlich darstellt – das merkwürdige, geradzu romantische Liebesverhältnis zwischen Trump und seinen Wählern. Auf Seite 149 schreibt er: ‘Liebt Trump seine Anhänger? Lieben seine Anhänger ihn? Zumindest signalisiert er seiner ›Basis‹ in einem fort, dass er ihre Weltsicht internalisiert hat, dass er diese Sicht – den Fremdenhass, die Angst vor dem Bedeutungsverlust und dem Niedergang der großen amerikanischen Nation – in allem, was er tut, laufend mitbeachtet, wie eigenartig diese auch immer sein mag. Er handelt exakt so, wie es das Konzept der Liebe vorsieht. (…) In der Beziehung zu ihrem über alles geliebten Präsidenten können sich viele Wähler von den Enttäuschungen des Lebens erholen (…) ‘It’s been a great romance and we’re only getting stronger together.’ Auch und gerade auf der Profil- oder Profilierungsebene gibt es ein ‘care’-Verhältnis , das sehr bindungsstark, emotional und ‘enthusiastisch’ sein kann, nicht nur ‘curation’ – allerdings jenseits der Authentizität. Das hat natürlich viel mit den neuen Medien etc. zu tun, was Heidingsfelder auch deutlich macht.

Das Erfrischende am Buch von Markus Heidingsfelder ist – ähnlich wie z.B. bei den Texten von Elena Esposito und Peter Fuchs, auf den er sich häufig bezieht -, dass er mit Luhmanns Theorie sozusagen souverän improvisiert und deren Relevanz in der Gegenwart darstellt, anstatt sich an Orthodoxie abzuarbeiten.” Hans-Georg Moeller

Heidingsfelder, Markus (2012): System Pop. Berlin: Kadmos.

System Pop ist ein Buch, das alles auf den Kopf stellt. Empathie und Empirie, Kunstanspruch und Ökonomie, Banalität und Kompliziertheit – und nicht zuletzt die Musik und die Art und Weise, Musik zu beschreiben … Musikbetrieb, Stars, Klangsignaturen, Bilderwelten, Songtexte, Hitparaden, Massenmedien und Fans bilden ein selbstreferenzielles, hochkomplexes soziales System aus Funktionen, Formen, Medien und Codes … Die Grundthese mutet dermassen sperrig an, dass sich mit der Zeit der genau gegenteilige Effekt einstellt: Heidingsfelders Systemtheorie des Pop ist allen Fussnoten-Gebirgen und Verstiegenheiten zum Trotz leichtgängiger Stoff, der anschaulich geschildert und vergnüglich zu lesen ist.” Julian Weber, NZZ

Der größte Vorzug der Arbeit ist es, die in erster Linie aus der Literatur geschöpften Tatsachen der ›operativen Realität‹ von Pop in einen globalen und transparenten Argumentationszusammenhang einzufügen, der produktive (auch kontroverse) Anschlussdiskussionen herausfordert. Die vielen treffsicher ausgewählten, wenn auch manchmal anekdotischen Beispiele sorgen für Anschaulichkeit trotz hohem Abstraktionsgrad. Von vergleichbaren Arbeiten hebt sich die Studie durch ihre Selbstverpflichtung auf ein striktes Theorieprogramm insgesamt positiv ab. Die klare Entscheidung für Songs und damit für den sozialen Reproduktionszusammenhang Popmusik … ist sinnvoll und praktikabel, weil sie einen in seiner Relevanz schwer zu bestreitenden Kernbereich von Pop abgrenzt, um den sich vielfältige kulturelle und soziale Zusammenhänge gruppieren. Indem von diesem Kern aus auch die aus Sicht der Theorie eher randständigen, mehr oder weniger ›abgeleiteten‹ Bereiche (vom Live-Erlebnis über die Subkulturen und die ›gepflegte Semantik‹ bis hin zu jener diffusen Sphäre des Populären) im gleichen begrifflichen Rahmen analysiert werden, gelingt der große Wurf einer kohärenten Gesamtschau weitgehend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der sich wissenschaftlich mit Popmusik oder einem angrenzenden Phänomen beschäftigt, das Buch aus der Hand legen wird, ohne hilfreiche Anregungen für die eigene Arbeit mitzunehmen.”
Christoph Rauen, Pop – Kultur & Kritik

“System Pop zeigt einen nur konsequenten, endlich vorhandenen Mut, bestehende Theorien soziologischer, psychologischer oder medienkulturwissenschaftlicher Prägung auf Pop zu übertragen. Bei aller Treue zur Luhmann’schen Systemtheorie … verbindet Heidingsfelder abstrakte Mechanismen und Grundlagen immer wieder mit konkreten Beobachtungen aus dem Musikbusiness, etwa zu Stars, Live-Events, Subkulturen, Musikmedien etc. Die beiden vermeintlich so weit auseinander liegenden gesellschaftlichen Bereiche wie Pop und System(theorie) ›einfach‹ einmal zusammenzudenken, was eben gerade alles andere als einfach ist, ist nicht nur ein großes Verdienst dieser umfassenden Studie, sondern macht an vielen Stellen schon wieder Spaß, Vorkenntnisse vorausgesetzt. Hier verbirgt sich Komplexes hinter Komplexem.” Christoph Jacke, testcard

“Ein überaus ambitioniertes Projekt. Markus Heidingsfelder versucht in System Pop nichts Geringeres, als das Unschärfephänomen Pop, dem bei der Beschreibung der modernen Gesellschaft kaum ausgewichen werden kann, theoretisch – und im wesentlichen: systemtheoretisch – zu rekonstruieren. Die Grundidee ist einfach und deswegen schlagend: Heidingsfelder begreift Pop als Sozialsystem. Durch diese Engführung durchkreuzt er geschickt die Evidenz des Augenscheins und alle lebensweltlichen Einschätzungen dessen, was üblicherweise als Pop beschrieben wird. Das Buch führt dabei deutlich vor Augen, dass der Autor nicht vom ‘grünen Tisch’ her argumentiert, sondern mit dem Bereich, über den er spricht, ungewöhnlich vertraut ist. Heidingsfelder operiert – trotz der Abstraktion der zentralen Figuren – als Insider der Domäne. Das Ergebnis ist ein erfahrungsgesättigtes und gleichwohl theoretisch tiefenscharf kontrolliertes Werk, dessen kreativer Umgang mit dem Gegenstand den Innovationsleistungen, die man gewöhnlich von wissenschaftlichen Arbeiten erwartet, vollauf gerecht wird.” Peter Fuchs

“Ein seltenes intellektuelles Vergnügen. Die exzellente Beherrschung des theoretischen Vokabulars zusammen mit dem erfrischenden Stil des Autors machen System Pop zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis. Das Buch lässt sich auf­grund seiner Theoretizität in vielfältiger Weise als Komplement zu bestehenden Forschungsan­sätzen lesen: als theoretisches Komplement insbesondere zu den materialorientierten Darstellungen, als systemtheoretisches Komplement zu den eher diskursanalytisch orientier­ten Darstellungen. Wenn die Funktion von Pop die Reflexionsunterbrechung ist, dann ist dieses Buch eines nicht: Pop oder poppig!”
Oliver Jahraus, Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Medien, LMU München

“Eine große Leistung, ein opus eximium – auch wenn ich die Grundthese für grundfalsch halte.” Armin Nassehi, Institut für Soziologie, LMU München

“Die Subkulturforschung betont (besonders im Rahmen der Cultural Studies und der deutschen Popdiskurse) Pop als deviantes, dissidentes oder subversives Phänomen; die Distinktionstheorie sieht Popkultur als Effekt symbolischer Abwertung; die an die Kritische Theorie anschließenden Studien betrachten Pop als kulturindustrielle Ware und Ideologie. Bemerkenswert ist gerade vor diesem Hintergrund der Vorschlag von Markus Heidingsfelder (2012), Pop als Funktionssystem im Rahmen der Luhmannschen Gesellschaftstheorie zu denken. Pop wird als ein selbstbezügliches System gefasst, dessen Funktion nicht in einer politisch (de)stabilisierenden Rolle besteht, sondern auf den Kontingenzüberschuss der Moderne mit der Produktion von (nicht zuletzt körperlich verankerten) Evidenzen antwortet. Die Grundfrage für die Analyse von Pop ist, auf welche Weise fortwährend solche Evidenzen produziert werden können.” Elena Beregow / Urs Stäheli, Handbuch Popkultur

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Das Gehirn ist genauso doof wie die Milz (zusammen mit Peter Fuchs, Weilerswist: Velbrück 2005)

GUEST-EDITED JOURNALS, ARTICLES, BOOK CHAPTERS (SELECTION)

COLLECTED EDITIONS

Heidingsfelder, Markus / Lehmann, Maren (Eds., 2020): Corona – Weltgesellschaft im Ausnahmezustand? Weilerswist: Velbrück.

Roth, Steffen / Heidingsfelder, Markus / Clausen, Lars / Laursen, Klaus Brønd Larsen (Eds., 2020): George Spencer-Brown’s Design with the NOR. With Related Essays. Bingley: Emerald.

Lehmann, Maren / Heidingsfelder, Markus / Maaß, Olaf (Eds., 2015): Umschrift. Grenzgänge der Systemtheorie. Weilerswist: Velbrück.

JOURNALISM (SELECTED ARTICLES & RADIO FEATURES)

INTERVIEWS